Rückblick
Direktvermarktertag Oberbayern zum Verbraucher von heute

Eingangsbereich eines Hofladens

Foto: Wolfgang Seemann, LfL

Die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Oberbayern luden im Frühjahr 2020 landwirtschaftliche Betriebe mit Direktvermarktung zur Direktvermarktertagung ins Hofcafé Untergünzl im Landkreis Altötting ein. Der Informationstag stand unter dem Motto: "Gesellschaft im Wandel – innovative Vermarktungsformen für den Verbraucher von heute".

Der Wandel im Einkaufsverhalten von Verbrauchern ist enorm. Was erwartet der Verbraucher von heute? Er ist sehr anspruchsvoll und fordert Regionalität und Frische sowie höchste Qualität beim Tierwohl und bei den Produkten selbst. Andererseits will er mit nur einem Halt all seine Besorgungen und Einkäufe schnell und einfach erledigen.
Vertrauensvorschuss für die Direktvermarkter
Schon der erste Referent Michael Böhm ließ die rund 90 Teilnehmer aufhorchen. Er stellte als Projektleiter des Freisinger Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Ecozept die Studie "InnoDirekt" vor. Böhm betonte mehrfach die geringe Preissensibilität der Kunden, die am Hof, in Hofläden und auf Märkten direkt bei Bauern einkauften. Das sei Ausdruck eines großen Vertrauensvorschusses, den die Direktvermarkter bekämen. Daher sieht Böhm in der Direktvermarktung über Hofläden, Verkaufsautomaten, Vertrauenskassen und Märkte wirtschaftliches Potenzial.
Zielgruppe bewusste Kunden
Für eine Positionierung im höheren Preissegment Bereich plädierte auch Sabine Biberger, AELF Ingolstadt. Aus einer Befragung, die Prof. Dr. Monika Gerschau 2018 an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf durchgeführt hat, bezog Biberger die Erkenntnis, dass die Verbraucher pauschal ein negatives Bild von der Landwirtschaft hätten und Infos und Transparenz forderten. Das Wissen über naturbelassene Lebensmittel schwinde, der Drei-Mahlzeiten-Rhythmus löse sich auf und in vielen Ein- oder Zwei-Personen-Haushalten werde nicht mehr gekocht.
"Ihre Zielgruppe sollten aufgeklärte Kunden sein, die Lebensmittel bewusst einkaufen und dafür mehr Geld ausgeben." Sabine Biberger vom AELF Ingolstadt.
Dem Verbraucher entgegenkommen
Biberger warb bei Hofläden für nachfragegerechte Öffnungszeiten und empfahl, den Trend zu unverpackten Lebensmitteln aufzugreifen. Zeitgemäßes Marketing über das Internet, die Plattform www.regionales-bayern.de und soziale Medien bis hin zu Werbefolien auf dem Auto und zur Betriebskleidung bezeichnete sie für alle Formen der Direktvermarktung als Muss. Außerdem sieht sie einen Trend zum anonymen und zeitlich unbegrenzten Einkauf. Ihm könne man mit Verkaufsautomaten und/oder Verkaufshütten mit Vertrauenskasse entsprechen. Zudem bieten schon viele Direktvermarkter ihre Produkte erfolgreich in einem eigenen Online-Shop an - das sei die Zukunft.
Motivierte Gründerinnen mit innovativen Konzepten
Birgit Wegner ist Geschäftsführerin der HofladenBOX, einem Onlinebestellsystem mit Lieferservice im Landkreis Fürth. Das Angebot wird gemeinsam mit den Direktvermarktern ständig erweitert, die Kunden schätzen die Angebotsvielfalt und die Lieferung regionaler Lebensmittel aus dem eigenen Landkreis sehr.
Judith Hausmann vom Biohof Hausmann in Ehingen bei Augsburg präsentierte ihr Betriebskonzept Bio – regional – verpackungsfrei. Die Betriebsleiterin fand den Einstieg in die Direktvermarktung mit Kartoffeln über eine Verkaufshütte und Vertrauenskasse. 2019 eröffnete sie ihren Hofladen mit einer kleinen Sitzecke. Ihr Hauptprodukte sind ihr Holzofenbrot und eigene Getreideprodukte. Die Nachfrage nach unverpackter Ware nahm sie auf und investierte in sogenannte Glasbins, um Getreide, Mehle, Hülsenfrüchte usw. ohne Verpackung anbieten zu können. "Das ist ein echter Trend", so die Betriebsleiterin. Freitags und samstags bietet sie ihren Kunden unter der Marke Hausmannskost ein leckeres Frühstück an.
Hofladen Griesmühle in Burgkirchen als Abschluss
Elisabeth Deser investierte 2016 in einen neuen Hofladen mit einer kleinen Café-Ecke im Laden und einem Biergarten. Zuvor verkaufte sie in einer Vertrauenshütte Kartoffeln und Eier ab Hof. Für den Schritt zum Neubau entschied sie sich nach dem Besuch der Qualifizierung "Betriebszweigentwicklung Direktvermarktung", das Sabine Biberger vom AELF Ingolstadt jährlich anbietet. "Das erste Jahr war hart, aber langfristig hat es sich gelohnt", informierte Elisabeth Deser die Besucher.
Behälter in einem Unverpackt-Regal

Unverpackt

Vorderansicht Hofladen

Neubau

Ansprechpartner

Sabine Biberger
AELF Ingolstadt
Auf der Schanz 43 a
85049 Ingolstadt
Telefon: 0841 3109-2321
Fax: +49 841 3109-2444
E-Mail: poststelle@aelf-in.bayern.de
Direktvermarktung - Seminar zur Betriebszweigentwicklung: Bayernweite Qualifizierung startet im Herbst 2020
Die Qualifizierung richtet sich an alle, die den Betriebszweig Direktvermarktung ausbauen, optimieren oder neu starten wollen. Sie findet an zwölf Seminartagen in jeweils 2-tägigen Modulen statt, die sich auf den Zeitraum von Herbst 2020 bis Frühjahr 2021 verteilen.