Entwicklung und Folgen
Milchvieh- und Anbindehaltung im Landkreis Eichstätt und der Stadt Ingolstadt

Kuh und Kalb in der Abkalbebox

Die Bestandsgröße der Milchviehbetriebe wird nach den Tierwohlvorfällen wie zum Beispiel in Bad Grönenbach in der Öffentlichkeit heftig und pauschalierend diskutiert.

Unser Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten informiert, dass alle Milchviehbestände im Dienstgebiet (Landkreis Eichstätt und Stadt Ingolstadt) von bäuerlichen Familienbetriebe geführt werden. Die durchschnittliche Zahl von 40,7 Milchkühen pro Betrieb (Grafik 1) ist im nationalen Vergleich weiterhin niedrig.

Die von Teilen der Gesellschaft ebenfalls kritisierte Anbindehaltung verliert zunehmend an Bedeutung.

  • 122 Anbindehalter (60% der Milchviehhalter - Grafik 2) betreuen mit 2.900 Stück nur noch 35 % der insgesamt 8.300 Milchkühe.
  • In Laufställen stehen damit bereits 65 % der Milchkühe.
Rückgang der Betriebe um 72 %
Der enorme Strukturwandel mit einem Rückgang der Milchviehbetriebe von 72 % seit dem Jahre 2002 (Grafik 3) ging fast ausschließlich auf das Konto der Anbindehalter. Nur wenige dieser Betriebe konnten wegen der hohen Investitionskosten oder wegen fehlender Standorte bzw. Hofnachfolger auf Laufställe umstellen.
Balkendiagramm zur Entwicklung der Kuhbestandsgröße

Grafik 1:
Kühe pro Betrieb

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Balkendiagramm zur Entwicklung der Rinderhaltung

Grafik 2:
Art der Haltung

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Balkendiagramm zur Entwicklung der Milchkuhhalter

Grafik 3:
Zahl der Milchkuhhalter

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Strukturwandel mit weitreichenden Folgen
Auch 2019 setzte sich der Strukturwandel unvermindert fort. Es gaben 8 Anbindehalter die Milchviehhaltung auf (minus 6,2%).

Der Rückgang von Milchviehbetrieben und der Tierhaltung im Allgemeinen wirkt sich auf die Kulturlandschaft aus:

  • So verändern sich beispielsweise die Struktur sowie die Identität der Dörfer.
  • Es verschwinden zunehmend viele tierbegleitende Arten wie die zahlreichen Futter- und Brutinsekten als Nahrungsgrundlage für Vögel wie Schwalben oder Sperlinge. Brachflächen oder Blumenwiesen halten den Rückgang solcher tierspezifischer Arten nicht auf.
Weitere Zahlen und Fakten
Eine Auswahl weiterer Statistiken zum Dienstgebiet (Landkreis Eichstätt und Stadt Ingolstadt) wurde aktualisiert und ist abrufbar unter:

Kombinierte Anbindehaltung – eine Alternative?

Am 08.07.2019 informierten Vertreter der Milcherzeuger, der Molkereien und des Staatsministeriums über die sogenannte Kombinationshaltung.

Diese ist in zweierlei Form möglich:

  • K 120: Kombihaltung mit 120 Tage Weide oder Auslauf
  • K 90 +: 90 Tage Weide oder Auslauf, mit optimierter Haltung
Beide Systeme müssen zu der Bewegungsmöglichkeit Abkalbe- und Trockensteherboxen anbieten.
Die optimierte Haltung bei K90+ erfordert ein verbessertes Platzangebot am Stand, mehr Bewegungsfreiheit und mindestens eine Krankenbox. Zudem müssen optimale Tränkeeinrichtungen bereitgestellt, das Lichtangebot optimiert und Maßnahmen gegen Hitzestress ergriffen werden. Eine Haltungsberatung ist hier zusätzlich Pflicht.
Verhalten der Molkereien entscheidend
Entscheidend wird sein, ob die Molkereien im Falle einer getrennten Erfassung diese Haltungsformen dem Laufstall gleichgestellt sehen und keine Abzüge vornehmen. Nur so wären Investitionen in diese Haltungsformen ohne größere Aufstockungen sinnvoll.
Information und Beratung
An kombinierte Anbindehaltung interessierte Betriebe können sich am AELF Ingolstadt von Josef Schilcher oder direkt beim Fachzentrum Rinderhaltung Erding (Tel.: 08122 480-0) informieren und beraten lassen.

Ansprechpartner

Josef Schilcher
AELF Ingolstadt
Auf der Schanz 43 a
85049 Ingolstadt
Telefon: 0841 3109-2240
Fax: +49 841 3109-2444
E-Mail: poststelle@aelf-in.bayern.de